Als Schulleiterin dieser Schule möchte ich Ihnen ein paar wichtige Informationen geben. Wenn das, was Sie am meisten interessiert, nicht dabei ist, rufen Sie einfach an oder schreiben Sie eine Mail, die ich gern beantworte!
Zum Schuljahresbeginn 2009/10 wurde die IGS Bovenden gegründet und startete mit dem 5. Jahrgang. Zurzeit besteht die Schule aus dem fünften bis siebten Jahrgang. Jedes Jahr wird ein Jahrgang mit fünf weiteren Klassen hinzukommen.
Geplant ist zunächst eine Schule bis zum 10. Jahrgang.
Alle Abschlüsse der Sekundarstufe I können an der IGS Bovenden erarbeitet werden.
Für diejenigen, die nach der 9. oder 10. Klasse (Abitur nach 12 oder 13 Schuljahren) auf das Abitur hinarbeiten möchten, gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie wechseln entweder zur 10. Klasse („Eingangsstufe“ = erster Jahrgang der Sekundarstufe II) der IGS Geismar, der KGS oder der Oberstufe eines Gymnasiums; auch besteht die Möglichkeit, das Abitur an einer der Berufsbildenden Schulen zu erarbeiten.
Manche Eltern äußern Bedauern darüber, dass Schülerinnen und Schüler, die das Abitur anstreben, bis dahin noch einmal die Schule wechseln müssen. Ihnen möchte ich sagen: Zunächst bleibt Ihr Kind 5 oder 6 Schuljahre an derselben Schule; dann wird ein Schulwechsel keine große Schwierigkeit sein, zumal zwischen den Schulen Absprachen erfolgen mit dem Ziel des problemlosen Übergangs. Die Schülerinnen und Schüler werden bei uns die Kompetenzen erwerben, die in der folgenden Schule vorausgesetzt werden.
Auch die Schülerinnen und Schüler, die die Schule mit dem Mittleren Bildungsabschluss verlassen (Hauptschul- oder Realschulabschluss), werden optimal auf ihren weiteren Bildungsweg vorbereitet: Unser Berufsorientierungsbüro (BOB), welches Modellcharakter für viele Schulen der Umgebung hat, begleitet, berät und betreut alle Schülerinnen und Schüler vom 7. Jahrgang an bei Fragen zu Ausbildung, Berufswahl, Praktikum, … Auch Eltern können sich jederzeit an das BOB wenden.
Wenn Sie in die Schule hineinkommen, werden Sie nicht merken, dass die Schule „neu“ ist: Das Gebäude, in dem wir arbeiten, ist das sehr schöne Gebäude der Haupt- und Realschule Bovenden, deren 7. bis 10. Klassen dort weiterhin unterrichtet werden. Mit dem Größerwerden der IGS wird nach und nach die Haupt- und Realschule immer kleiner werden, bis es im Jahr 2015 hier nur noch Gesamtschüler geben wird.
Es herrscht ein friedliches Nebeneinander beider Schulen: Einige Räume werden gemeinsam genutzt (Computerräume, Musikraum, Räume für naturwissenschaftlichen Unterricht, Freizeitbereich, offene Werkstatt, Mensa, …), mehrere Lehrkräfte unterrichten an beiden Schulen, Beratungslehrerin, Sozialarbeiter und unser Egotherapeut in der offenen Werkstatt sind für alle Schülerinnen und Schüler Ansprechpartner. Es gibt sogar ein paar Arbeitsgemeinschaften im Nachmittagsbereich, in denen Schülerinnen und Schüler beider Schulformen gemeinsam Theater spielen, musizieren, …
Dennoch findet in der IGS anderer Unterricht statt: In jeder Klasse lernen Schülerinnen und Schüler unterschiedlichster Leistungsniveaus gemeinsam. Damit keiner über- oder unterfordert ist, werden die Unterrichtsinhalte so aufbereitet, dass alle zu ihrem Recht kommen, unabhängig davon, ob sie besondere Stärken in dem jeweiligen Fach haben oder mehr Lernzeit benötigen als andere.
Bei uns hat soziales Lernen einen hohen Stellenwert. Wie Sie anderen Teilen der Homepage entnehmen können, arbeiten wir nach dem Tischgruppenprinzip: Für eine gewisse Zeit lernen Mädchen und Jungen in festen Tischgruppen zusammen. Die Kinder jeder Tischgruppe, deren Erziehungsberechtigte und die Klassenlehrer/innen treffen sich ca. ein Mal im Halbjahr zu sog. Tischgruppenabenden, um alles Wichtige, was diese Lerngruppe betrifft, zu besprechen.
Es gibt keine Sitzenbleiben; Noten werden am Ende der 8. Klasse zum ersten Mal erteilt. Bis dahin erhalten die Schülerinnen und Schüler sog. LEBs, das sind Lernentwicklungsberichte, die deutlich machen, welche Kompetenzen des jeweiligen Faches der Schüler/die Schülerin bereits erworben hat und woran er/sie noch arbeiten muss. Diese Form der Leistungsbeurteilung ist wesentlich aussagekräftiger als eine einzige Note, da auf alle einzelnen Bereiche des jeweiligen Faches eingegangen wird. Alle LEBs werden mit Eltern und Schüler/innen besprochen. In die Besprechungen fließen auch die Einschätzungen der Schüler/innen über ihr eigenes Arbeits- und Sozialverhalten mit ein. Uns ist es wichtig, dass die Jungen und Mädchen lernen, ihr eigenes Verhalten kritisch zu betrachten, um es evtl. gezielt verändern zu können.
Das Lehrerkollegium sieht die Gründung unserer neuen Schule als große Herausforderung und spannende Aufgabe: Es gibt nicht oft die Chance, etwas ganz Neues zu erarbeiten (natürlich im Rahmen des Niedersächsischen Schulgesetzes), dabei Erfahrungen aus Reformschulen Deutschlands und Skandinaviens zu nutzen, gemeinsam neue Konzepte zu erarbeiten, sie mit Bewährtem zu verknüpfen, erneut zu überarbeiten, wenn das eine oder andere sich doch nicht als optimal erweist. Es bedeutet viel Arbeit, genaues Hinsehen, Überprüfen, Bewerten, Überdenken, also viele Team- und Planungsgruppensitzungen, in denen intensiv gearbeitet wird, immer zum Wohl der Kinder unserer Schule.
Dabei stehen uns viele interessierte und motivierte Eltern zur Seite, die von sich aus Hilfe anbieten und uns tatkräftig unterstützen. Sie haben ihre Kinder bewusst bei uns angemeldet, weil sie nach der 4. Grundschulklasse keine Entscheidung für eine der drei „klassischen“ Schulformen treffen wollten. Sie sind erleichtert, dass die Gründung der Gesamtschule Bovenden nach vielem Hin und Her letztendlich genehmigt wurde.
Unterstützt werden wir auch durch das Pädagogische Seminar der Universität Göttingen unter der Leitung von Herrn Prof. Dr. Veith, der großes Interesse am Aufbau unserer Schule hat und uns mit Rat und Tat zur Seite steht. Zurzeit binden wir mehrere Studenten in den Unterricht mit ein. Sie unterstützen einzelne Kinder in Arbeitsphasen, in denen zusätzliche Erklärungen sinnvoll und wichtig sind.
Und die Kinder? Sie fühlen sich wohl! Alle fünf Klassen haben ihre Klassenräume in einem „Cluster“ mit gemeinsamem Innenflur. Natürlich gibt es auch Gerangel, hin und wieder Streitereien, es sind eben ganz „normale“ Kinder, die – und das ist auch neu – aus mehr als 20 verschiedenen Grundschulen kommen und hier erst ihren Platz finden mussten. Fragt man sie, wie es ihnen hier geht, hört man, dass sie gern zur Schule kommen, und darauf legen wir großen Wert. Die Atmosphäre stimmt, das Schulklima ist angenehm, auch die Lehrkräfte und alle anderen Mitarbeiter arbeiten hier gern.
Zurzeit können wir noch nicht Unterricht für vier Nachmittage zur Pflicht machen, da uns die Ressourcen nicht zur Verfügung stehen. Alle Kinder bleiben an zwei Nachmittagen in der Schule: Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit dem Klassenlehrer/der Klassenlehrerin arbeiten sie an einem Nachmittag in Arbeitsgemeinschaften, die sie gewählt haben. An dem zweiten Nachmittag finden Klassenprojekte statt, deren Themen wechseln (Lesen, Arbeit im Bereich Naturwissenschaften, Fördern, Fordern, …).
Für alle Jungen und Mädchen gibt es im 5. und 6. Jahrgang jeweils 4 „Methodentage“: gezieltes Training von verschiedenen Arbeitsmethoden, die dann schwerpunktmäßig im Unterricht angewandt und systematisch geübt werden. Unser Ziel ist es, zu vermitteln, wie man lernt, damit lebenslanges Lernen möglich wird.
Im ersten Halbjahr der 5. Klasse gibt es für jede Klasse „Sozialtrainingsstunden“: Hier wird gelernt und geübt, wie man Konflikte vermeiden kann oder wie man mit Konflikten umgeht, wenn sie sich nicht vermeiden ließen.
Eine weitere erfolgreiche Arbeit an der IGS ist nur möglich, wenn sich die räumliche Situation den steigenden Schülerzahlen anpasst. Wir freuen uns deshalb sehr darüber, dass in diesem Schuljahr der Anbau (siehe weitere Texte auf der Homepage) begonnen wurde.
Freundliche Grüße
Dagmar Dettleff-Rohmann